Neuer Markt 9 und 10

Neuer Markt 9Für die Häuser Neuer Markt 9 und 10 gab es unterschiedliche Angaben im Grundregister: für das Haus Nummer 9 war der erste Eintrag 1610, für die Nummer 10 bereits 1527 zu finden. Seit geraumer Zeit aber präsentierten sich die beiden, an der Ecke zum Glatten Aal gelegenen Häuser, als Einheit, wobei es sich um ein großes Eckhaus und ein links daneben stehenden kleineren Bau handelte. Das linke Haus zeichnete sich durch einen schön geschwungenen Giebel mit halbrundem Abschluss aus, der rechte Bau bestach durch seine typische klassizistische Fassade.

Seit mindestens 1828 musste dort das Hotel de Russie gestanden haben, denn am 22.September des Jahres 1828 wurde dem ersten Bürgermeister der Stadt Dr. Zoch, der sein 25 jähriges Amtsjubiläum beging, im „Hotel de Russie“ ein Festmahl bereitet. Zeitweilig wohnten dort auch Menschen dauerhaft, wie z.B. 1856 der kaiserlich russische Konsul von Reincke. Ab 1898 hieß der Eigentümer Hugo Lindemann, der das Haus auch weiterhin als „Hotel de Russie“ weiterführte, erst 1914 nach Kriegsausbruch wurde es in Hotel Lindemann umbenannt. Seit mindestens 1885 gab es an der Ecke zum Glatten Aal zusätzlich noch einen Zigarren- und Tabakladen.

 

Neuer Markt 10Am 23.August 1920 wurde der Hotelbetrieb eingestellt, das Reichsfinanzamt kauft das Haus für 1.100.000 Mark und ab 1922 hatte hier das Finanzamt Rostock Stadt und Rostock Land seinen Sitz. Am 29.September 1930 bezog das Finanzamt ein Gebäude in der St. Georg Straße und die Häuser standen von 1931-1934 leer. In dieser Zeit werden beide Häuser getrennt verkauft und umgebaut.

1935 war Gottlieb Holst Eigentümer des Hauses Nummer 9 und nach umfangreichen Bauarbeiten befand sich hier links das Teppichhaus Sabokath und rechts das Photographengeschäft Fritz Palm. Auch waren der Bund der deutschen Mädel und der Volksbund für Deutschtum im Ausland im ersten Stock Mieter in diesem Haus zu finden. Ab 1940 saß dort bis zum Krieg zusätzlich der Bund zur Bekämpfung der Alkoholgefahren. Besitzer von Haus Nummer 10 war 1935 Friedrich Franz Bull, der dort auch sein Spezial – Schuhhaus Bull und Söhne, nebst Werkstatt hat.

Nach der völligen Zerstörung im Krieg entstanden im Zuge der Umgestaltung der neuen Post auch diese beiden Giebelhäuser neu. Bei der Wiederherstellung war – und das kann man auch den Häusern Neuer Markt 3-8 nicht absprechen - durchaus das Bemühen zu erkennen, die alte Baukunst in zeitgemäßer Auffassung neu zu gestalten.

Am 29.Oktober 1957 wurde hier  das Porzellangeschäft Vitrine – Porzellan und  ein Geschäft mit Kunstgewerbe eröffnet. Beide Geschäfte konnten die Wende überdauern und haben bis heute inklusive ihres ursprünglichen Namens Bestand. Heute  hat in den oberen Geschossen des Hauses ebenfalls die Baufinanzierungsgesellschaft der Postbank BHW einen Teil ihrer Geschäftsräume. Weiterhin findet man heute hier die Dr. Schnell & Dr. Hensel GmbH mit Ihrem Unternehmen  IT-Tecture .