Das Rathaus

RathausDas Rathaus – der zentrale Punkt auf dem Neuen Markt war und ist in vielerlei Hinsicht ein einmaliges Gebäude. Folgt man der Aussage des ehemaligen Rostocker Stadtbaudirektors Dehn von 1926, so ist das Gebäude der „ältesterhaltene Backsteinbau von Deutschland aus gotischer Zeit“. Zum anderen bietet der Bau durch seine siebenturmige gotische Fassade, der - dem damaligen Zeitgeist entsprechend - 1729 ein barocker Vorbau angefügt wurde, eine in Deutschland einmalige Kombination der beiden Baustile.

Es gibt unterschiedliche Angaben über den Bau des Rathauses, die Angaben liegen zwischen 1200 und 1290. Das Haus bestand ursprünglich aus einem Doppel- oder Zwillingshaus, d.h. aus zwei gleichartigen Häusern die beide dreistöckig sind, aber noch vor 1315 kam ein drittes Giebelhaus hinzu und auch die Schauwand aus farbigen glasierten Ziegeln wurde verlängert.

RathausstubeIm 15. Jahrhundert wurden statt der vier sieben Türme gebaut, der Ratsstubenanbau wurde 1484 errichtet, man überwölbte mittels eines Schwippbogens den Durchgang zu dem neben dem Rathaus freistehenden Haus. Im sogenannten „neuen Haus“ fanden das Archiv, sowie die Kasse und die Ratsstube Platz.

In den Jahren 1578-1586 zeichnete der Krämerälteste Vicke Schorler eine fast 19 m lange Rolle mit dem Titel „wahrhaftige Abcontrafactur der hochloblichen alten See- und Hansestadt Rostock, Heubtstadt im Lande zu Mecklenburg“ auf der auch das Rathaus mit dem „neuen Haus“ zu sehen ist.

Da das Rathaus für den Rat allein viel zu groß war, kann man davon ausgehen, dass beim Bau des Rathauses in erster Linie wirtschaftliche Komponenten eine Rolle spielten, denn in dem Rathaus hatten im Erdgeschoss vorrangig gewerbliche Stände ihren Sitz.(Stände der Gewandschneider, Wollenweber; Gerber, Barbiere, Kürschner) – Das Rathaus war somit als eine Art Kaufhaus, aber auch die Kassen- Sitzungs- und Schreibzimmer waren hier untergebracht.

Nach der Marktseite war ein Anbau vorhanden die sog. Laube, von der der Bevölkerung die vom Rat beschlossenen Verordnungen und Bestimmungen mitgeteilt wurden. 1718 stürzte der gotische Laubenvorbau ein und man war zu einem Wiederaufbau gezwungen. In anderen Quellen wird allerdings nur von einer Beschädigung des Laubenvorbaus durch Unwetter gesprochen.

Im Laufe der Zeit erfuhr das Rathaus von innen eine Reihe von Veränderungen, die größer werdende Anzahl der Beamten und der sich daraus ergebende Platzmangel zwangen die Stadt zu diversen Umbauten. 1907 wurde das Rathaus mit dem dahinter liegenden Stadthaus durch einen Brückenverbund erweitert.

1934 übernahm die Stadt die beiden rechts neben dem Rathaus stehenden Häuser 33 und 34. Diese werden bis heute von Angestellten der Stadt als Büroräume genutzt.

Den II. Weltkrieg hat das Rathaus – im Gegensatz zu weiten Teilen des Platzes – relativ unbeschadet überstanden. Anstelle der Häuser Neuer Markt 29-32, die während der Bombennächte des Krieges zerstört oder beschädigt wurden, entsteht der Rathausanbau, dessen Grundsteinlegung am 1.5.1951 erfolgt.

Im Frühsommer 1980 erhält das Rathaus einen neuen Farbanstrich, bei dem die Ornamente nach vorgefundenen Resten nachgemalt wurden. Erst ab 1992 wird das Rathaus schrittweise einer umfangreichen Sanierung unterzogen, die bis 2002 mit der Fertigstellung des Ratskellers andauert.

Der Ratskeller, im Kellergewölbe des Hauses gelegenen, gilt als eine der ältesten Gaststätten am Platze. Von 1862 bis zur vollständigen Restaurierung des Kellers ab 1902 war der Ratsweinhändler und Kaufmann Otto Saniter Inhaber der Gaststätte. Am 2.7.1903 erfolgte die Wiedereröffnung bis zum Krieg unter der Bezeichnung Ratsweinkeller.

1949/50 ist Georg Schwer Inhaber der Gaststätte Ratskeller, bevor es von der HO bis zur Wende übernommen wird. Zu DDR Zeiten ist der Ratskeller vermutlich 1973 noch einmal renoviert worden. Seit der Sanierung 2002 zeichnet sich der Keller durch eine gutbürgerliche Küche aus und bietet eine Vielzahl von Tanz- und Vergnügungsveranstaltungen an.